Das Wort zum Monat Februar 2019

Ein fiktiver Rückblick auf die Jagdsaison 2028-2029 im Kanton Bern

 

Nun neigt sich die Jagdsaison 2028-2029 dem Ende zu. Mir wurde dieses mahl vom Jagdinspektorat nur ein Rehkitz freigegeben, da ich letztes Jahr einen Bock erlegen durfte. Dies erwies jedoch als grosse Herausforderung, da sich die Wolfsrudel, Goldschakale und Luchse im Seeland und Berner Jura bereits am Rehnachwuchs gütlich getan haben. Dennoch konnte ich nach langem Ansitz ein braves 10 Kg. schweres Kitz erlegen. Der Pfeil sass zwar gut, das Kitz flüchtete jedoch noch ca.100 Meter ins Dickicht wo ich es dank meinem Schweisshund auch fand. Auf die Wildschweinjagd habe ich diese Saison verzichtet, da uns «normalen Jäger» ja nur noch Pfeil und Bogen zur Jagd erlaubt sind und diese Jagdweise gerade bei Wildschweinen noch zeitraubender ist als die Jagd auf Reh Fuchs oder Dachs mit dem Bogen. Sollen doch die Wildhüter mit ihren ausnahmebewilligten Feuerwaffen, Zielfernrohren und Nachtzielgeräten die Wildschweinpopulation in den Griff bekommen. Der Prädatoren-Druck auf das restliche Schalenwild ist so hoch, was vom Forst ja ausdrücklich erwünscht ist, dass die Abschussfreigaben nur noch einen Bruchteil dessen sind, wie noch vor zehn Jahren.

 

Nun sind es ja auch zehn Jahre her seit der leidigen Abstimmung über die EU-Waffenrichtlinie, welche durch das Schweizer Stimmvolk angenommen wurde. Ich höre sie noch, die Politiker, ja selbst der damalige Präsident des Berner Jägerverbandes verkündete: «Euch Jäger wird es nicht betreffen, es müssen nur alle Waffen nachregistriert werden das ist alles.» Es ist uns ergangen wie den Kartoffeln, denen gehen bekanntlich die Augen auch erst auf, wenn sie im Dreck stecken. Nun ihr wisst ja wie es gekommen ist. Weil die Richtlinie zur Terrorbekämpfung, aus dessen Grund sie eingeführt wurde, nichts taugte, wurde sie schon drei Jahre später verschärft, indem man u.a. Zielfernrohre mit Vergrösserungen mehr als vierfach- und diverse weitreichende Kugelkaliber verbot. Als dies immer noch keine Wirkung gegen den Terror zeigte, entschlossen die EU Kommissäre und somit auch Bern, sämtliche legalen Waffen aus dem verkehr zu ziehen und nur noch Armee, Polizei und Berufsjäger/ Wildhüter unter strengen Auflagen, mit Feuerwaffen auszustatten. Gegen den Terror und die illegalen Waffen hat auch dies nichts gebracht. Zum Glück machte sich danach Jagd Schweiz dafür stark, dass wenigstens Pfeil und Bogen aus dem Gesetz der verbotenen Hilfsmittel zur Jagd, gestrichen wurde. Somit können wir heute noch einen Hauch dessen erleben was früher für mich Jagd hiess, nämlich mit Büchse oder Flinte und laut jagenden Hunden in die Wälder zu ziehen und gemeinsam in der Gruppe zu jagen.

 

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich jeder Bürger genau überlegt, welche Freiheiten er sich durch irgendwelche Gesetze nehmen lassen will.

 

Mit Jägersgruss, Bernhard Zürcher