Das Wort zum Monat November 2019

  Auf und davon….

 

Wagen wir doch mal den Blick in die Zukunft: wie sieht die Jagd in 20 Jahren aus?

Und der Blick zurück: was hat sich verändert in den letzten 20 Jahren? Vor 20 Jahren hatte ich noch kein Smartphone, welches mir Informationen zur Jagd geliefert hätte. Die Jagdkarte aus Papier wurde abgeschafft, dafür gibt es nun „map.apps.be.ch“. Sehr praktisch, wenn der Akku des Handys nicht schlapp macht und der Empfang stark genug ist.

Mit dem Gedanken an Siri und Co. und was das Smartphone sonst noch so alles kann, springe ich in die Zukunft und lasse meiner Fantasie freien Lauf.

 

„Guten Morgen Beat“, sagt eine freundliche Frauenstimme zu mir, nachdem ich die Jagd-App auf meinem Smartphone geöffnet habe. „Heute haben wir Mittwoch, der 30. Oktober 2040 und es ist 4:10 Uhr am Morgen. In drei Stunden geht die Sonne auf. Gehen wir heute zusammen auf die Jagd?“ fragt die Stimme weiter. „Ja, was darf ich Jagen?“ frage ich nach. „Waschbär und Biber“ ist die Antwort. Gut, ich entscheide mich für den Biber und wähle diesen auf dem Bildschirm an. „Ok, du hast dich für den Biber entschieden. Der Biber ist heute im Seeland jagdbar. Beim Länggraben bei Bühl sind zwei freigegeben und es hat sich noch kein Jäger dafür eingetragen. Möchtest du dich dafür eintragen?“ fragt die Stimme. „Ja bitte, trag mich ein.“ Auf der Karte sehe ich, dass sich bereits 3 Jäger für die Biberjagd im Seeland eingetragen haben. Ich packe meine Sachen, Nachtsichtgerät und Schalldämpfer gehören zu der Standardausrüstung. Im Fahrzeug ertönt ein Hinweis: „Lieber Beat, zur Datenerhebung und deiner Sicherheit schalten wir das GPS und deine Smartwatch ein.“ Klar, alles wir aufgezeichnet und ausgewertet, dem Kanton entgeht nichts mehr. In Bühl angekommen, verschaffe ich mir zuerst einen Überblick. Mit dem Nachtsichtgerät geht das sehr gut. Bald schon sehe ich den Biber im Zuckerrübenfeld. Zuerst ein Marsch und dann pirsche ich mich leise an. Der Wind ist günstig aber die Blätter verdecken mir immer wieder die freie Sicht. Nach der vorgeschriebenen Beobachtungs- und Ansprechzeit entscheide ich mich für den Schuss. Es knallt nicht mehr, nur ein Pfupfen ist zu hören. Die App markiert meinen Schuss, verbrechen wäre nicht mehr nötig. Nun aber schnell zum Biber, denn ich muss diesen innerhalb von 10 Minuten einscannen und melden. Wenn ich es nicht schaffe, ist die Jagd für heute beendet, denn es wird automatisch eine Nachsuche ausgelöst und mein Fall übernimmt ein Spezialist vom Kanton. Also nichts wir hin! Alles gut gelaufen, der Schuss ist gut angetragen. Den Biber eingescannt und gemeldet, mache ich mich wieder auf zum Fahrzeug. Auf der Fahrt zum Fleischermeister meldet sich die nette Dame meiner Jagd-App wieder. „Lieber Beat, Danke für deinen Einsatz. Wir weisen dich darauf hin, dass es an der Zeit ist, die obligatorischen Weiterbildungen zu besuchen. In zwei Wochen gibt es einen kombinierten Tag, am Vormittag Theorie und am Nachmittag praktisches Schiesstraining. Wir würden uns freuen, wenn du dabei bist. Wir wünschen dir weiterhin einen erfolgreichen Tag.“

 

Wieder im hier und jetzt, mit einem Lächeln auf dem Gesicht denke ich, wie wird es wohl sein, in 20 Jahren? Und was kann ich dazu beitragen, dass es so wird, wie ich es mir wünsche. Und vor allem: was kann ich tun, damit mir die Jagd erhalten bleibt?

 

Nach dem Motto; „beständig ist nur der Wandel und nichts bleibt wie es ist“, wünsche ich Euch viel Fantasie.

 

Mit Weidmannsgruss, euer Hegeobmann

Beat Oppliger